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Fragen und Antworten
Stand: Februar 2009
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Grundsätzliches
Worum geht es bei dem Projekt?
Der Arbeitskreis BEST möchte in der Neckargemünder Weststadt eine günstige, umweltschonende und auf lokale Rohstoffe basierende Versorgung mit Heizwärme schaffen. Dafür planen wir die Errichtung eines „Bioenergiestadtteils“, also einer zentralen Heizanlage und die Verlegung eines Nahwärmenetzes über das die angeschlossenen Haushalte von einer durch die Anwohner selbst getragenen Genossenschaft mit Energie versorgt werden.
Wozu soll das gut sein?
Eine solche Einrichtung hat viele Vorteile:- Haushalte, die sich an BEST anschließen, entgehen damit den immer weiter steigenden Kosten für Öl und Gas; die Energie von BEST kann zu günstigeren Tarifen angeboten werden.
- Durch den Einsatz von Holzhackschnitzeln wird die Energieversorgung klimaneutral: Holz als nachwachsender Rohstoff führt nicht zu einer weiteren Beschleunigung des Klimawandels wie Kohle, Öl und Gas das tun.
- Das Geld bleibt hier in der Region: Die Errichtung und die Brennstoffversorgung nutzt lokale Ressourcen; die Kosten wandern nicht mehr wie bislang zu fernen Energiemultis oder undemokratischen Regimen.
Gut, aber gibt es für solche Bioenergieprojekte existierende Vorbilder?
Ja, in Jühnde, Mauenheim und Rai-Breitenbach sind solche Anlagen erfolgreich in Betrieb und sind zum Stolz und Aushängeschild ihrer jeweiligen Gemeinde geworden. Inzwischen sind landauf-landab ähnliche Projekte in Planung. In Rai-Breitenbach z.B. sind über 70% der Haushalte (ca. 140) dabei. Die Größenordnung des Projektes ist dabei der für die Weststadt angepeilten sehr ähnlich.
Aber erst neulich habe ich in der Zeitung einen sehr skeptischen Artikel zu Bioenergieprojekten gelesen!
Bioenergieprojekte rütteln an den Geschäftsmodellen einiger der größten und gewinnträchtigsten Unternehmen der Welt. Ölfirmen machen Milliarden Gewinne im Jahr, Gazprom ist inzwischen das wertvollste Unternehmen der Welt. Viele Firmen und viele Menschen verdienen gut daran, dass die Verhältnisse so bleiben wie sie sind. Man darf davon ausgehen, dass diese Leute ein Interesse daran haben, alternative, durch uns als Abnehmer kontrollierte Modelle der Energieversorgung in der Öffentlichkeit in Zweifel zu ziehen. Andere sind vielleicht grundsätzlich erstmal immer skeptisch, wenn was Neues angedacht wird…
Aber ganz allgemein gilt: Was in der Neckargemünder Weststadt oder in Rai-Breitenbach Sinn macht, muss nicht überall Sinn machen: Eine Großstadt z.B. wird sich derzeit vielleicht noch nicht mit regenerativen Energien versorgen lassen. In der Neckargemünder Weststadt geht das!
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Brennstoff Holzhackschnitzel?
Will BEST also unseren Wald abholzen?
Keine Sorge, Waldwirtschaft ist hierzulande stets nachhaltig: Es darf immer nur soviel entnommen werden wie auch nachwächst. Und die verfügbare Holzmenge in Deutschland wächst kontinuierlich an – eine Rohstoffquelle, die viel zu wenig genutzt wird.
Und die Versorgungssicherheit?
Holz ist in riesigen Mengen vorhanden, vor unserer Haustür. Es muss nicht erst über weite Strecken und durch unruhige Weltregionen transportiert werden. Forstämter und Waldbesitzer sind an langfristigen Lieferverträgen interessiert. Und wie „sicher“ die Gasversorgung langfristig ist, davon haben wir bei den Lieferstopps aus Russland um den Jahreswechsel einen Vorgeschmack bekommen… „Sicher“ ist bei Öl und Gas nur, dass wir dabei sind, sie endgültig und immer rascher aufzubrauchen.
Wieviel Holz wird denn dafür benötigt?
Folgende Abschätzung: Sagen wir ein Haushalt verbraucht im Jahr 3.000l Heizöl oder 3.000m3 Erdgas. Das entspricht in etwa 15 Raummeter Holz. Wenn sich also in der Neckargemünder Weststadt 100 Haushalte anschließen lassen, dann wären das ca. 1.500 Raummeter. Über den Daumen gepeilt 30 große LKW im Jahr. Zum Vergleich: im Jahr 2007 wurden in Neckargemünd allein 6.000 Festmeter Holz eingeschlagen was ca. 8.500 Raummeter Hackschnitzel entspräche (2008 wurde wegen sinkender Nachfrage weniger geerntet). Und dabei sind die von BEST ins Auge gefassten Holzhackschnitzel quasi noch gar nicht dabei, weil die oft heute als Abfall gelten. Im Forstbezirk Rhein-Neckar alleine stünde mehr als das hundertfache dieser Menge zur Verfügung.
Fazit: Holz hat ein riesiges, derzeit ungenutztes Potenzial!
Aber ein Bekannter neulich meinte, das Problem mit Pellets sei …
Moment: Bei BEST geht es um sogenannte Holzhackschnitzel, nicht Pellets! Hackschnitzel sind nicht dasselbe wie Pellets: Pellets sind ein aufwändig gefertigter, industrieller Brennstoff. Sie müssen gepresst, getrocknet, mit Zusätzen verfestigt und unter beträchtlichem Maschineneinsatz hergestellt werden. Hackschnitzel dagegen sind einfach kleingehacktes, getrocknetes Holz. Mehr nicht. Vieles was zum Thema Pellets diskutiert wird, trifft auf Hackschnitzel einfach nicht zu.
Wie kommt die Energie in die Haushalte?
In dem Nahwärmenetz wird heißes Wasser in den Leitungen zirkulieren. Das Wasser gibt die Wärme in einem Wärmetauscher in den Heizkreislauf des jeweils angeschlossenen Haushalts ab. Über die Differenz der Wärme vor bzw. nach diesem Wärmetauscher lässt sich genau messen, wieviel der entsprechende Haushalt verbraucht hat und damit bezahlen muss. Bei der eigenen Heizung im Haus kann mit dem Anschluss an das Netz der eigene Brenner stillgelegt werden, ansonsten sind neben Anschluss und Wärmetauscher keine weiteren Umbauten nötig.
Wieviel Platz braucht die Anlage?
Die Anlagen in bestehenden Bioenergiedörfern sehen häufig Trocknung und Verbrennung direkt an der Anlage vor. Wenn der Grund billig und der Platz vorhanden ist, kann man das so machen – in Rai-Breitenach z.B. belegt die Anlage 5000qm. In Neckargemünd ist der Platz knapp und teuer, man wird deshalb die Trocknung, die besonders viel Platz benötigt, andernorts vorsehen. Die Heizanlage selbst ist aber vergleichsweise kompakt und benötigt in etwa soviel Platz wie ein Reihenhaus.
Man hört soviel von neuen Techniken: Brennstoffzellen, etc, …
Besteht nicht die Gefahr, dass die Anlage veraltet ist, kaum dass sie in Betrieb genommen wird?
BEST wird bei der Inbetriebnahme über eine Anlage auf dem Stand der Technik verfügen. Sollte es nach Jahren des Betriebs so sein, dass völlig neue Techniken verfügbar sind oder dass sich die Lage auf dem Markt für Hackschnitzel verschlechtert hat, so kann entsprechend neue Brennertechnik im zentralen Heizwerk installiert werden; das Nahwärmenetz bleibt davon unberührt.
Mit dem Nahwärmenetz ist der Stadtteil im wahrsten Sinne des Wortes zukunftssicher.
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Thema Finanzen / Rechtliches
Wie kann sich das rechnen?
Die geplante Art der Versorgung (eine Anlage, viele Abnehmer) spart viele Kosten. Derzeit sind wir noch dabei, ein Konzept zu entwerfen sodass, für BEST Neckargemünd Weststadt noch keine genauen Zahlen vorliegen. In vergleichbaren Projekte zeigt sich aber, dass ein Bioenergiedorf auch wirtschaftlich sinnvoll ist, sprich, die Abnehmer Kosten sparen im Vergleich zum Betrieb einer Öl- oder Gas-Heizung.
Unter http://www.hackgut-heizung.de/inc/heizkostenrechner.inc.php bekommt man einen Eindruck wie sich die Kosten für unterschiedliche Heizungsarten vergleichen. Zu beachten ist hier, dass dabei die Kalkulation für einen Privathaushalt mit eigener Heizung gemacht wird. Im Falle eines Umstiegs auf BEST ist davon auszugehen, dass der Vergleich noch günstiger ausfällt: Die eigene Heizungsanlage wird überflüssig, keine Schornsteinfeger mehr, keine Wartung und Reparatur des Brenners, keine Abschreibung für die eigenen Heizung, kein Platzbedarf für Heizkessel, Tank, …
Was sagt der Gesetzgeber?
Längst gibt es gesetzliche Regelungen, die ab 2010 auch Privathaushalte betreffen: Der Gesetzgeber hat eine Rate von mind. 10% regenerativen Energien bei Modernisierungsmaßnahmen an der Heizung sogar zur Verpflichtung erklärt! Im Vergleich ist der Bezug der Energie aus dem BEST-Projekt (wo zu 100%, nicht nur zu 10% regenerative Energien erzeugt werden) günstiger, als wenn sich jeder Hausbesitzer auf eigene Faust an die Installation einer Wärmepumpe, eines Solarkollektors etc macht.
Wie und von wem soll denn die Anlage betrieben werden?
Eine Genossenschaft erscheint als das am besten geeignete Modell: In einer Genossenschaft schließen sich die Teilnehmer zusammen um einen gemeinsamen Zweck ohne Gewinnerzielungsabsicht zu verfolgen. Alle haben dann Mitspracherecht. Entscheidungen werden vor Ort, durch die Abnehmer gefällt, statt in fernen Konzernzentralen, in denen ganz andere Interessen vorherrschen.
Allgemein ist es ein ganz zentrales Kennzeichen vieler erfolgreicher Bioenergieprojekte, dass sich die Anlagen mehrheitlich im Besitz der Anwohner befinden: Denn deren Interessen (niedrige Abnehmerpreise …) sind oft nicht deckungsgleich mit denen eines kommerziellen Energieversorgers (hohe Abnehmerpreise …).
Was kostet das Projekt insgesamt und was kostet es jeden Haushalt?
Die konkreten Kosten hängen von einer Vielzahl von Parametern ab, darunter insbesondere die Rate der anschlussbereiten Haushalte, aber folgende Abschätzung verdeutlicht die Dimension:
Die gesamte Anlage mit Heizwerk und Netz wird in etwa 2,5 mio € kosten. Hierfür gibt es unterschiedlichste Fördermöglichkeiten auf Bundes- und Landesebene sowie Finanzierungsprogramme von KfW u.a. die helfen sollen, solche Projekte umzusetzen. Setzt man diesen Betrag in Relation zu den ca. 450.000 € die derzeit jährlich (!) in der Weststadt als Öl oder Gas verheizt werden, so wird deutlich, wie groß das Potenzial ist, wenn die Bewohner sich dazu entschließen, diese Mittel nicht weiter an ferne Energieversorger, sondern in die eigene Genossenschaft umzuleiten. Eine Genossenschaft, die Haushalte mit Energie beliefert, gilt den Banken als sehr stabiler, langfristiger Partner mit einem sehr verlässlichen Geschäftsmodell, was sich bei der Finanzierung positiv auswirkt.
Der Einstieg in das Projekt wird dabei für jeden Haushalt eine Anfangsinvestition von ca. 5.000 € (Genossenschafts-Anteil, Wärmetauscher, Netzanschluss) erfordern, die evtl. wiederum über einen längeren Zeitraum finanziert werden können.
Weshalb Neckargemünd Weststadt?
Zum einen weil wir und Sie hier wohnen und wir alle uns neben den Sorgen um das Weltklima auch schlicht Gedanken über die ganz konkrete eigene Energieversorgung machen. Zum anderen, weil die Neckargemünder Weststadt aus vielen Gründen als sehr geeignet erscheint: Alte Bebauung, hoher Eigentümeranteil, wenige, lange Straßenzüge, aufgeschlossene, innovative Bevölkerung, gute Verkehrsanbindung (Bundesstraße, Gleisanschluss), verschiedene potentielle Großabnehmer (Gehörlosenschule, Grundschule, Rathaus, …).
Ein Nahwärmenetz in der Neckargemünder Weststadt könnte mit ca. 4000m Leitungslänge alle Haushalte potenziell erreichen – wieder im Vergleich dazu Rai-Breitenbach: Dort musste man über 7000m verlegen, um die Abnehmer erreichen zu können. Auch aus diesem Gesichtspunkt also ist die Weststadt ein guter Standort.
Aber natürlich macht es Sinn, sich über die Chancen eines Bioenergiestadtteils auch in anderen Stadtteilen Neckargemünds Gedanken zu machen.
Kann man sich auch noch später für BEST entscheiden?
Ein Nahwärmenetz wird mehr oder weniger passgenau auf die benötigte Leistung und die Zahl der angeschlossenen Haushalte zugeschnitten. Wenn die Leitungen erst einmal verlegt sind, dann kann es schwierig werden, in nennenswerter Zahl weitere Haushalte mit dazuzunehmen. Also: Nicht zu lange mit der Entscheidung warten! Sind in absehbarer Zeit ohnehin Maßnahmen an der Heizung fällig und sind Sie ganz allgemein wie wir bei BEST der Meinung, dass wir in Bezug auf Energieversorgung nicht länger so wie bisher weitermachen können, so sollten Sie jetzt mit uns Kontakt aufnehmen.
Außerdem: Was wird es für den Wiederverkaufswert der Immobilie in einigen Jahren bedeuten, wenn die Mehrheit der Objekte im Stadtviertel an ein gut funktionierendes Nahwärmenetz angeschlossen ist, man sich aber für das eigene Objekt vor Jahren leider gegen den Anschluss entschieden hatte?
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Zusammenfassung
Kosten, gesetzliche Auflagen, … klingt alles arg nüchtern
Wichtig ist, dass das Projekt auch für jeden nüchternen, kühlen Rechner Sinn macht. Gleichzeitig aber ist der zentrale Vorteil natürlich, dass hier eine Antwort auf eine der drängendsten Fragen der nächsten Jahre und Jahrzehnte gegeben wird: Wie können wir unsere Energieversorgung zukunftssicher machen? Wie begegnen wir dem sich immer mehr beschleunigenden Klimawandel sowie den sich abzeichnenden Versorgungsengpässen bei Öl und Gas?
Mit BEST wird die eigene Heizenergie nicht nur „ein bisschen umweltfreundlicher“, sondern praktisch vollständig klimaneutral. Der eigene Geldbeutel wird genauso geschont wie das Weltklima!
Sind das nicht Luftschlösser?
Wir haben in ersten Kontakten mit Experten und Beratungsstellen (KliBa, IFEU, …) viel Bestärkung für die Idee erfahren. Das Rad muss ja auch nicht neu erfunden werden – vgl. die oben erwähnten Modellprojekte. Es muss „nur“ noch ausgearbeitet und umgesetzt werden.
Innerhalb von ca. zwei Jahren (Planungszeit bis zur Aufnahme der Produktion für z.B. das Projekt in Rai-Breitenbach) könnten die Abnehmer dann in der Tat zu 100% regenerative Energien beziehen.
Wann soll’s losgehen?
Das hängt auch von Ihnen als potenziellem Abnehmer ab: Das Projekt muss eine kritische Menge von ca. 50% der Haushalte überschreiten damit es umgesetzt werden kann. Derzeit ist Herbst 2010 als Start angepeilt.
Wie geht es weiter?
Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wenn Sie mehr Informationen benötigen, wenn Sie sich vorstellen können, Abnehmer von BESTer Heizenergie zu werden oder wenn Sie sich gar vorstellen können, an der Umsetzung mitzuarbeiten. BEST trifft sich jeden 2. Donnerstag im Monat um 20:00 Uhr im Gasthaus Schützenhaus in Neckargemünd.